Den Diversity Bonus ausschöpfen

In Diversity, Interne Kommunikation, Kollaboration, Mitarbeiter-Vernetzung, Selbstorganisationby Elisabeth Schuller

Unternehmen können von Diversity erheblich profitieren. Dafür müssen sie Fachkräfte mit unterschiedlichem Hintergrund und vielfältigen Denkweisen zusammenbringen. Wenn es darum geht, die passenden Mitarbeiter für Teams und Projekte auszuwählen und sinnvolle Verbindungen zu ermöglichen, hilft eine langfristige Strategie. Human Resources ist dabei besonders in der Verantwortung.

 Noch vor einigen Jahren verlief ein hoher Anteil der täglichen Arbeit in Routinen. Doch dies ist im digitalen Zeitalter und der Wissensgesellschaft endgültig vorbei. Die meisten Unternehmen sehen sich stetig komplexeren Aufgaben gegenüber – eine Entwicklung, die nicht aufzuhalten ist. Einzelne Fachkräfte sind immer weniger in der Lage, die heutigen und zukünftigen Herausforderungen als „Solopreneure“ zu lösen. So sind beispielsweise Projekte im Bereich Künstlicher Intelligenz (KI) vieldimensional und erfordern sowohl psychologische als auch technische Kompetenz. Auch wenn es etwa um das Entwerfen von innovativen Produkten und Services, um neue Vertriebsmethoden oder um effizientere Organisationsstrukturen geht, ist die Zusammenarbeit in multidisziplinären Teams gefragt, deren Mitglieder über unterschiedliche Erfahrungen und Skills verfügen. Über die Fähigkeiten hinaus kann es einen Mehrwert bringen, verschiedene Denkweisen zusammenzuführen. Diversity ist das Stichwort der Stunde. Menschen, die etwa sich in Herkunft und Kultur, Alter, Geschlecht oder Studien- und Bildungshintergrund unterscheiden, verfügen zum einen über vielfältiges Wissen und Informationen. Zum anderen nutzen sie unterschiedliche Denkmodelle und gehen vollkommen unterschiedlich an Dinge heran. Sich auszutauschen, sich gegenseitig zu beeinflussen und voneinander zu lernen – das bringt sowohl die einzelnen Mitarbeiter weiter als auch das gesamte Unternehmen mit seinen Projektvorhaben.

Projekte richtig orchestrieren

Es ist wie in einem guten Orchester: Die Violine allein macht noch kein beeindruckendes Konzert. Um den ganzen Saal zu begeistern, müssen auch Pauken und Trompeten, Flöten oder Celli zum Einsatz kommen. Von hoher Bedeutung ist dabei, genau die Akteure auszuwählen, die gut ins Ensemble passen und deren Spielweise und Ideen dem ganzen Orchester neue Möglichkeiten eröffnet. Ähnlich verhält es sich in (Projekt-)Teams. So zeigt der amerikanische Sozialwissenschaftler Scott E. Page in seinem Buch „The Diversity Bonus: How Great Teams Pay Off in the Knowledge Economy“: Unternehmen sind erfolgreicher, wenn sie auf Mitarbeiter setzen, die effizient zusammenarbeiten. Im Vordergrund steht eine agile Organisation, in der Kollegen einander ergänzen und Projekte gemeinsam orchestrieren. Dabei ist nicht die wahllose Skalierung von Gruppengrößen gefragt, sondern das Matchen von Personen, die gut zueinander passen und gemeinsam neue Ideen sowie Problemlösungen entwickeln. Denn niemand würde davon profitieren, wenn Kollegen zu einer Zusammenarbeit gezwungen würden, die nicht miteinander harmonieren.

Strategisches Diversity Management

Unternehmen sollten darauf achten, Grundlagen für eine reibungsfreie Zusammenarbeit zwischen Kollegen mit unterschiedlichen Hintergründen zu legen. Damit das langfristig gelingt, ist es empfehlenswert, ein langfristiges Konzept zu verfolgen, das verschiedene Bausteine einschließt und regelt, wie Diversity gelebt wird. Letztlich besteht die zentrale Herausforderung darin, diese „Unterschiedlichkeit“ im Unternehmen zu verankern – sie muss gelebt und verstanden werden. Dazu gehört es auch, unterschiedliche Meinungen in einen Diskurs einfließen zu lassen. Entscheidend: Damit Mitarbeiter und Führungskräfte das mit Diversity verbundene Potenzial im Hinblick auf den Unternehmenserfolg erkennen, braucht es eine starke Kommunikation.

Der Human-Resources-Abteilung (HR) kommt im Hinblick auf Diversity Management eine besondere Verantwortung zu. Zum einen betrifft dies das Recruiting. Hier ist darauf zu achten, dass Kandidaten ausgewählt werden, die gemeinsam mit dem bestehenden Team einen echten Mehrwert schaffen. Dies ist nur möglich, wenn deren Fähigkeiten, Hintergründe und Skills das Team ergänzen und stärker machen. Zudem kommt HR die Aufgabe zu, Maßnahmen für eine Diversity-Kultur zu implementieren und Sorge zu tragen, dass diese unternehmensweit  entstehen kann. Damit verbunden sind unterschiedliche Hintergründe, Meinungen und Herangehensweisen. Auch an ein Monitoring mit klar festgelegten Kriterien sollte gedacht werden, um zu bewerten, wo Diversity im Unternehmen steht und wo Verbesserungen einzuläuten sind.


5 Maßnahmen, wie Unternehmen den Diversity Bonus ausschöpfen

Strategisches Recruiting: Die Personalauswahl ist ein entscheidender Baustein beim Diversity Management. Am besten achtet Human Resources in Bewerbungsprozessen auf eine durchdachte Vielfalt. Gleichzeitig ist es eminent wichtig, Spezialisten zu gewinnen, die gut ins Unternehmen und ins Team passen.

Abteilungsübergreifendes Matching: Es bringt mitunter wenig, kompetente Spezialisten im Unternehmen zu haben, wenn diese nicht in Kontakt miteinander sind. Um für abteilungsübergreifende Touchpoints zwischen Kollegen zu sorgen, bieten sich verschiedene Optionen an – zum Beispiel interne Social Networks. Noch einfacher und schneller funktioniert es über Lösungen wie Mystery Lunch, die Mitarbeiter mit unterschiedlichen Hintergründen für ein gemeinsames Mittagessen vernetzen.

Projektmitarbeiter zusammenführen: Wenn sich Querdenker mit verschiedenen Hintergründen und Kompetenzen im Unternehmen für persönlichen Austausch und „Out-of-the-box“-Meetings treffen, bringt das neue Ideen und kreative Denkansätze. Online-Plattformen wie Mystery Brain können dabei unterstützen, über das gesamte Unternehmen hinweg die richtigen Mitarbeiter für ein Projekt zu finden. Wenn Projektleiter eine Teilnahme an Meetings unternehmensweit ausschreiben, eröffnen sie damit neue Horizonte.

Hospitationen: Das Kennenlernen von Mitarbeitern aus einer anderen Abteilung kann neue Horizonte eröffnen. Somit resultieren aus Hospitationstagen nicht nur Lernpotenziale, indem erkennbar wird, wo bestimmte Dinge von den Kollegen übernommen werden können. Ebenso viel Potenzial liegt darin, Abläufe in Nachbarabteilungen besser zu verstehen. Die Komplexität von Abläufen wird häufig erst verständlich, wenn man sie einmal mi eigenen Augen begutachtet hat. Ein weiterer Mehrwert durch Hospitationen: Die so gewonnen neuen Kontakte zu unterschiedlichen Kollegen fördern den Abbau von Silos.

Diversity-Trainings: Es genügt nicht, Diversity allein in der HR-Abteilung aufzuhängen. Zwar kann HR das Thema steuern, allerdings sind auch darüber hinaus Akteure nötig, die die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern mit unterschiedlichen Hintergründen fördern. Vor allem Führungskräfte mit hoher Empathiefähigkeit sind dabei gefragt. Unternehmen sollten gezielte Trainings anbieten, um Diversity zu entwickeln.