Networking im New Normal: Silodenken abbauen und Vernetzung ermöglichen

In alle Beiträge by Stefan Melbinger

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Einer für alle und alle für einen – wäre diese Mentalität im Arbeitsalltag nicht wünschenswert? Die Realität sieht in den meisten Firmen jedoch auch heute noch anders aus. Zwar bemühen sich Unternehmen – meist unter Federführung der Human Resources Abteilung – zunehmend, Silodenken abzubauen. Gerade mit der zunehmenden Dynamik der Digitalisierung und neuen New-Work-Initiativen wollen Konzerne und Mittelstand raus aus den Silos. Doch nicht immer gelingt das. Zu oft gehen Abteilungen noch eigene Wege und Schnittstellen zu anderen Bereichen fehlen. Das New Normal mit dem Homeoffice als Standard verschärft das Problem. Die Frage ist: Auf welche Weise gelingt es Firmen, wie Start-ups zu arbeiten?

Wenn man sich unter Angestellten und Führungskräften umhört, dann ist echte Zusammenarbeit rar gesät. Vielmehr ist Silo- und Konkurrenzdenken in vielen Unternehmen weit verbreitet*. So arbeiten Abteilungen auch heute häufig an ihren eigenen Zielen: Projekte sind primär Teil der eigenen internen Positionierung und nur sekundär im Sinne des  Unternehmenswohls.

Silomentalität: Individuelle Karriereziele versus Teamgeist

Auch Einzelinteressen stehen nicht selten im Vordergrund – mitunter heben Fach- und Führungskräfte primär ihre eigene Karrierezielen auf die Empore. Oder es geschieht der umgekehrte Fall: Wenn jemand für bestimmte Aufgaben nicht zuständig sein möchte, heißt es allzu gern: „Nicht mein Bereich“,

Die Folgen der damit verbundenen Silomentalitäten liegen auf der Hand: Schnelle Entscheidungen sind unmöglich, da die Suche nach einem jeweils verantwortlichen Entscheider viel zu lang dauert. Informationen sowie gewonnenes Wissen werden nicht geteilt und Vorurteile gegenüber Kollegen aus anderen Bereichen wachsen. Solche Ansätze führen letztlich zu einer Situation, in der es nur Verlierer gibt: die Mitarbeiter, das Unternehmen – und die Kunden.

Vernetzung – vor Ort und im Homeoffice

Aktuell hat das „New Normal“ den Alltag grundlegend umgekrempelt: Homeoffice ist binnen kurzer Zeit zum Standard geworden. Und nichts hat sich dabei so sehr verändert wie die Kommunikation. Doch bei allen Vorteilen steht die Entwicklung hin zum mobilen Arbeiten durchaus auch unter kritischen Vorzeichen: Der schnelle Austausch auf dem Flur, die kurze Abstimmung von Tür zu Tür oder das Business-Lunch zum aktuell brennenden Projekt: Das alles ist nicht mehr so einfach möglich, wenn alle am heimischen Rechner sitzen.

Für Unternehmen gilt es, Verbindungen zu schaffen, Wissensträger zu vernetzen und Kollegen miteinander ins Gespräch zu bringen. Daraus resultiert in einer mobilen Arbeitswelt eine besondere Herausforderung: So ist aus dem Homeoffice heraus eine engmaschige Kommunikation zwischen gefragt – innerhalb von Abteilungen und darüber hinaus. Geschäftsleitung und Führungskräfte haben dabei eine besondere Rolle: Sie müssen zugleich Sorge tragen, dass Konzepte für den Abbau von Silos entwickelt werden. Außerdem sind sie in der Vorbildrolle im Hinblick auf eine optimierte Unternehmenskultur. 

Grundsätzlich ist Spezialisierung zwar durchaus sinnvoll. Denn sie erst ermöglicht Spitzenleistungen und eine hohe Effizienz. Und doch ist es wichtig, dass alle im Unternehmen in grundsätzlichen Fragen am gleichen Strang ziehen und auf kongruente Ziele hinarbeiten. Dies gilt umso mehr in der VUCA-Welt und mit Blick auf die Digitalisierung: Denn für eine erfolgreiche Transformation braucht es weit mehr als nur Technologien: Im Mittelpunkt stehen neue Denkweisen – und unter dem Strich eine offene, transparente Unternehmenskultur.

Management will Kollaboration voranbringen

Mit der Digitalisierung wird es folglich auch für Konzerne immer wichtiger, neue Produkte, Innovationen und Problemlösungen zu schaffen. Auf Management-Ebene ist das Problem bereits identifiziert und vielen Führungskräften sind die beschriebenen Zustände schon lange ein Graus. Diverse Maßnahmen wurden inzwischen getroffen, um einen Change herbeizuführen. Vielmehr wissen Entscheidungsträger: Erst Austausch, Veränderung und Zusammenarbeit bringen ein Unternehmen im positiven Sinne voran. Unbürokratische Initiativen und agile Prozesse sind für Firmen gefragt, wollen sie in globalen Märkten bestehen und dringend benötigte Innovationen schaffen.

Interne Schnittstellen helfen nicht nur, neue Ideen und Projekte zu entwickeln, sondern unterstützen auch beim Wissensmanagement. Mit der sogenannten Schwarmintelligenz  sollen schlechte Ideen herausgefiltert werden, die guten entwickeln sich fast wie von allein weiter. Dieses Phänomen kann entstehen, wenn Kollegen aus verschiedenen Bereichen zusammenkommen und gemeinsam an produktiven Lösungen arbeiten. Um das zu schaffen, braucht es jedoch Eigenverantwortung der vielen statt eines hierarchischen Denkens.

Wie Silos funktionieren (Auszüge aus Wikipedia)

(…) Befüllt werden Silos grundsätzlich von oben, entleert von unten. Trotzdem arbeiten sie nicht nach dem First-in-first-out-Verfahren. (…)  Bei dem durch den Auslassstutzen gezapften Produkt handelt es sich also um eine Mischung aller im Silo befindlichen Mengen. Aus diesem Grunde ist es im Falle einer Silofalschbefüllung unbedingt zu vermeiden, unbedacht von unten zu zapfen in der irrigen Annahme, dass das falsch zugefüllte Produkt oben auf dem zuvor korrekt in den Silo eingefüllten Warenmengen wieder austritt.

Strategien für Durchlässigkeit und Zusammenarbeit

Im Idealfall bereiten Management und HR-Abteilung einer solchen durchlässigen Innovations-Kultur gemeinsam den Weg  – begleitet durch entsprechende Kommunikation. Es hilft, wenn dabei ein langfristiges Konzept mit Meilensteinen entwickelt wird, das die Unternehmensführung vorlebt. Doch auch wenn dies aus Ressourcen-Gründen erstmal nicht möglich ist, besteht kein Grund, das Ziel einer besseren Zusammenarbeit und einer offeneren Kultur aufzugeben. Auch punktuelle Berührungspunkte können zum Abbau von Silos beitragen – ob das im Rahmen eines Firmenevents geschieht oder beim Mittagessen mit einem Kollegen, der einem nach dem Zufallsprinzip vermittelt wurde.

Beispiele: Maßnahmen für mehr Vernetzung und zum Siloabbau

Vernetzungsevents & Company Days

Gefragt sind Veranstaltungen, die Kollegen gezielt vernetzen. Hier gilt es für die Organisatoren, gezielte Elemente einzubinden, die Abteilungsgrenzen aufreißen und zum Austausch zwischen Kollegen aus verschiedenen Bereichen beitragen.

Abteilungsübergreifende Projekte

Die Zusammenarbeit mit anderen Bereichen schafft neben einem besseren Verständnis für deren Arbeitsalltag häufig auch neue Ideen und Innovationsansätze.

Learning Sessions

Weiterbildung sollte sich nicht auf einzelne Abteilungen beschränken. Vielmehr ist es sinnvoll, Mitarbeiter übergreifend an entsprechenden Angeboten teilnehmen zu lassen. Damit erweitern diese nicht nur ihre Fachkompetenz, sondern lernen die eigene Organisation besser kennen.

One-to-One-Meetings zwischen Kollegen

Ob beim Mittagessen oder zum Kaffee – ein informelles One-to-One zwischen Kollegen aus unterschiedlichen Einheiten ist eine der am besten funktionierenden Methoden, um das Verständnis zu erhöhen – und um neue Synergien entstehen zu lassen. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern etwa mithilfe von Online-Plattformen bei der Vernetzung helfen, tragen sie damit sehr effizient zum Abbau von Silos bei. Stattdessen werden neue Brücken gebaut – und eine wichtige Grundlage geschaffen, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern.

* Studie von Hays in Zusammenarbeit mit dem Analyse- und Beratungsunternehmen PAC aus dem Jahr 2015: Silo- und Konkurrenzdenken ist besonders in Großunternehmen mit über 2000 Mitarbeitern ausgeprägt. 83 % der Befragten in diesem Bereich sehen dies so. 72 % der Befragten sagen, dass die digitale Transformation durch Silos blockiert wird.

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Der erstmals 2017 veröffentlichte Artikel wurde am 24.02.2021 umfassend upgedated.